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Bartleby.com: Great Books Online

Nr. 20 / 2001  

Resümee:  In der Sammlung von frei zugänglichen Volltexten ragt vor allem die sechste Auflage der "Columbia Encyclopedia" heraus, neben der noch eine Reihe sprachbezogener Nachschlagewerke von Nutzen ist.
URL:  http://www.bartleby.com
Kategorie:  Lexika

Die nach dem Protagonisten einer berühmten Kurzgeschichte Herman Melvilles benannte Internet-Seite Bartleby.com wird seit 1993 von Steven H. van Leeuwen aufgebaut. Frei zugängliche Volltexteditionen von Büchern, die keinen Copyright-Beschränkungen mehr unterliegen, bildeten zunächst den Kern des Angebots. Neben den Abteilungen "Verse", "Fiction" und "Nonfiction" kam dem Bereich "Reference" von Anfang an eine zentrale Bedeutung zu. Obwohl im Bereich "Nonfiction" Publikationen wie die "King James Bible" oder eine 1909-14 publizierte Ausgabe des "Wealth of Nations" von Adam Smith enthalten sind, stellen die Nachschlagewerke doch den nützlichsten Teil von Bartleby.com dar. Dabei wird das Konzept intensiver Kreuzverlinkung zwischen den einzelnen Einträgen umgesetzt, das auch die Basis von xrefer bildet.

Als Flaggschiff der Abteilung "Reference" kann die 2001 erschienene sechste Ausgabe der "Columbia Encyclopedia" bezeichnet werden. Sie enthält mehr als 50.000 Artikel, darunter gut 17.000 biographische Einträge. Neben rund 40.000 Literaturangaben werden 80.000 Querverweise innerhalb der Enzyklopädie angeboten. Von der Startseite der Enzyklopädie aus kann man zunächst Nutzungshinweise sowie je ein Verzeichnis mit Abkürzungen und Ausspracheregeln abrufen. Der Zugang zu den Artikeln kann sowohl über eine Volltextsuche als auch über einen alphabetischen Index erfolgen.

Der Umfang der einzelnen Artikel verhilft zu einer ersten Orientierung. Themen wie die Reformation oder der Westfälische Friede werden mit etwa 15.000 bzw. knapp 3.000 Zeichen sehr kompakt behandelt. Wenig hilfreich sind in beiden Fällen die Literaturhinweise. Der neueste Titel zur Reformation entstammt dem Jahr 1985, während für den Westfälischen Frieden gar nur auf C. V. Wedgwoods Buch über den Dreißigjährigen Krieg aus dem Jahr 1938 verwiesen wird. Sowohl im Hinblick auf die Qualität wie auch die Quantität können die Artikel der "Columbia Encyclopedia" also nicht mit der "Encyclopaedia Britannica" mithalten. Für die Erstinformation über historische Persönlichkeiten und Ereignisse ist diese Nachschlagemöglichkeit dennoch nützlich.

Zu den Stärken der mit relativ unaufdringlichen Werbebannern finanzierten Seiten gehört auch das Angebot an sprachbezogenen Nachschlagewerken. In der Abteilung "Reference" werden z. B. Suchmöglichkeiten in der 2000 erschienenen 4. Auflage des "American Heritage Dictionary of the English Language", in der 1995 publizierten 3. Auflage von "Roget's II: The New Thesaurus" sowie in der 1996er Ausgabe des "American Heritage Book of English Usage" offeriert. Angesichts dieser Kombination an Recherchemöglichkeiten sollte man sich also keineswegs an der fast schon sprichwörtlichen Formulierung orientieren, die Melville seinem Helden Bartleby in den Mund legte: "Ich möchte lieber nicht".

[Gregor Horstkemper, 29. Mai 2001]

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