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Münchhausologische Sammlung Zürich |
| Nr. 13 / 2002 |
| Resümee: | Neben einer knappen Vorstellung der vom Münchhausen-Forscher Bernhard Wiebel aufgebauten Sammlung von Münchhausiana bietet diese Seite vor allem eine Reihe von Aufsätzen, die auf originelle Weise die Aktualität des Phänomens "Münchhausen" aufzeigen. |
| URL: | http://www.muenchhausen.ch |
| Kategorie: | Themenangebote |
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Von der Pantagruelogie über die Philanderologie bis hin zur Schelmuffskologie ließe sich manche trendgemäße Analogie erklügeln, sollte die noch recht junge Forschungsrichtung der Münchhausologie Schule machen und entsprechende Folgen zeitigen. Was durchaus kein Schade sein müsste, wie die dem "Phänomen Münchhausen" gewidmeten Internet-Seiten des Schweizer Kunstwissenschaftlers Bernhard Wiebel zeigen. Bereits die Aufzählung der in 40 Sprachen bekannten, leicht variierenden Namensformen des berüchtigten Freiherrn zeigt, dass die Ende des 18. Jahrhunderts anonym publizierten Zusammenstellungen seiner angeblichen Lügengeschichten auf ein internationales Echo gestoßen sind. Der verwickelten Entstehungsgeschichte des Münchhausen-Stoffes korrespondiert ein weitläufiger Rezeptionsprozess, was Wiebel dazu veranlasst, dem Freiherrn eine veritable Rangerhöhung zum "Vehikel des sozialen Gedächtnisses" zu konzedieren. Als erste Annäherung an das vielschichtige Thema kann von der Homepage aus die Abteilung Phänomen angesteuert werden. Wer mehr an Bildmaterial interessiert ist, kann über den Link Ausstellung eine Reihe unterschiedlicher Illustrationen der Münchhausenschen "Fuchsjagd" betrachten. Ein knapper Überblick zur Sammlung zeigt die Spannbreite der Züricher münchhausologischen Bestände auf, die von mehr als 1.000 Exemplaren unterschiedlicher Ausgaben der Münchhausen-Abenteuer über rund 200 Titel mit Abwandlungen und Fortführungen des Stoffes (sog. Münchhausiaden) bis hin zu 120 Objekten mit Bezug zu Münchhausen reicht. Letztere, zu denen etwa Spielfiguren, Postkarten oder Souvenirs aller Art gehören, belegen den Bekanntheitsgrad des Stoffes. In der Abteilung Forschung skizziert Wiebel Fragestellungen, die er künftig noch zu bearbeiten gedenkt. Besonders begrüßenswert ist jedoch, dass der Münchausologe in der Abteilung Publikationen seine bislang im Druck erschienenen Aufsätze im Volltext verfügbar macht. Ein recht ausführlicher Text stellt Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, Rudolf Erich Raspe und Gottfried August Bürger als "ein phantastisches Triumvirat" vor, das für den weltweiten Erfolg des Münchhausen-Stoffes verantwortlich war. Hervorzuheben ist daneben der Beitrag über "Münchhausens Zopf und die Dialektik der Aufklärung", in dem Münchhausens Selbstrettung aus dem Sumpf mit der berühmten Aufklärungs-Definition Kants in einen direkten Zusammenhang gebracht wird. Erhellend sind auch die Ausführungen unter dem Titel "Münchhausen - ein amoralisches Kinderbuch", in denen die Verharmlosungen und Glättungen "ad usum delphini" untersucht werden, denen der Münchhausen-Stoff unterworfen wurde. Da diese Internet-Seiten bereichern und beleben, lässt sich eine blühende Zukunft der Münchhausologie und die fortgesetzte Online-Dokumentation weiterer Forschungsergebnisse erhoffen. [Gregor Horstkemper, 1. April 2002] |
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