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Le Trésor de la Langue Française informatisé

Nr. 21 / 2004  

Resümee:  Für den "Trésor de la Langue Française" mit seinen 100.000 Stichworten, zahlreichen historischen Beispielen für Begriffsverwendungen und etymologischen Erläuterungen werden komplexe Rechercheoptionen angeboten.
URL:  http://atilf.atilf.fr/
Kategorie:  Lexika

Unter dem Titel "Thresor de la langue françoyse" publizierte Jean Nicot bereits 1606 ein Wörterbuch, das heute als Grundlegung der französischen Lexikographie gilt und online im Rahmen des Webangebots Dictionnaires d'autrefois genutzt werden kann. Die Wörterbuch-Projekte der folgenden Jahrhunderte kulminierten in dem 1859-1872 von Paul-Maximilien-Emile Littré herausgegebenen "Dictionnaire de la langue française". Als Mitte des 20. Jahrhunderts der Bedarf nach einem neuen Standardwerk unübersehbar wurde, begann in den 1960er Jahren auf Initiative des "Centre National de la Recherche Scientifique" (CNRS) die Arbeit an einer Bestandsaufnahme des Vokabulars der französischen Sprache zwischen 1789 und 1960, deren Ergebnisse zwischen 1971 und 1994 unter dem Titel "Le Trésor de la Langue Française" veröffentlicht wurden. Noch vor Abschluss der Drucklegung des insgesamt 16 Bände umfassenden Werks nahm zu Beginn der 1990er Jahre das "Institut national de la langue française" (INALF) die Arbeit an einer digitalen Fassung auf. Seit 2001 ist die CNRS-Einrichtung "Analyse et traitement informatique de la langue française" (ATILF) unter der Federführung von Jacques Dendien für die weitere Aufarbeitung des Materials zuständig. Im März 2002 wurde eine Online-Fassung des Nachschlagewerks über die Webseiten von ATILF freigeschaltet.

Der "Trésor" enthält Artikel zu 100.000 Begriffen und deren Geschichte, 270.000 Definitionen sowie 430.000 Beispiele für Wortverwendungen, was dieses Wörterbuch zu einem sehr nützlichen Arbeitsinstrument macht. Bevor sich eine Recherche gestartet werden kann, müssen Besucher auf der Homepage zunächst zwischen zwei Versionen wählen, die für unterschiedlich schnelle Internetanbindungen angepasst wurden. Hat man sich für eine Option entschieden, wird eine Seite angezeigt, über die eine einfache Suchanfrage abgesetzt werden kann (Recherche d'un mot). Wer jedoch zunächst einmal die verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten des Datenbestandes kennenlernen will, sollte dem Link Aide folgen, der in der Navigationsleiste am oberen Bildschirmrand untergebracht ist. Wenn gleich über die einfache Begriffssuche recherchiert werden soll, kann im Bereich "1) Tapez le mot" z. B. das Wort "revolution" in das dort eingeblendete Suchfeld eingegeben werden. Aufgrund der automatischen Fehlerkorrektur stellen fehlende Akzente kein Problem dar. Neben dem suchenden Verfahren wird auch eine Option zum "Durchblättern" des Wörterbuchs angeboten: Im Bereich "2) Utilisez les listes défilantes" kann mit Hilfe von Wortlisten der gesuchte Begriff aufgefunden werden. In Spezialfällen mag auch die Variante "3) Faites une saisie phonétique" hilfreich sein.

Wenn beispielsweise eine Suche nach dem Begriff "bourgeois" abgesetzt wurde, wird zunächst eine Liste von insgesamt 16 Treffern angezeigt. Darin sind sowohl der Haupteintrag "bourgeois, oise" als auch zusammengesetzte Begriffe wie "anti(-)bourgeois" oder "semi-bourgeois" zu finden, die an anderen Stellen des Nachschlagewerks stehen (hier: unter "Anti-" bzw. "Semi-"). Klickt man den Haupteintrag an, wird der stark untergliederte Wörterbucheintrag angezeigt. Für unterschiedliche Bedeutungsebenen werden jeweils Definitionen und historische Beispiele für die Begriffsverwendung angegeben. Diese Beispiele reichen im vorliegenden Fall von Madame de Staël und Joseph Joubert über Théophile Gautier und Guy de Maupassant bis hin zu Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir. Relativ ausführlich fällt der Abschnitt zur Etymologie aus, der ältere Verwendungsweisen sowie die dazugehörigen Belegstellen auflistet. Durch bibliographische Angaben wird außerdem die vertiefte Beschäftigung mit einzelnen Begriffen erleichtert. Bei der Lektüre umfangreicher Artikel kann die Option zur farblichen Hervorhebung bestimmter Textelemente hilfreich sein. Die einzelnen Benutzer können z. B. den Namen eines jeden aufgeführten "Auteur d'exemple" farblich unterlegen. Interessiert man sich nur für bestimmte Teile der Artikel, kann auf diese Weise die Orientierung sehr erleichtert werden. Mit Hilfe von sechs Schaltern, deren Funktionsweise über den Link "Rôle des boutons" abgefragt werden kann, lässt sich die schnelle Navigation durch größere Treffermengen und auch innerhalb von längeren Artikeln bewerkstelligen.

Wenn die einfache Begriffssuche nicht ausreicht, kann in der Navigationsleiste die Recherche assistée angesteuert werden. Diese Öption ermöglicht z. B. im Abschnitt "3) Le passage est consacré à une discipline donnée" die Suche nach Begriffen, die mit bestimmten Wissensgebieten assoziiert sind. Aus einer Liste können Bereiche wie "paléographie" oder "protestantisme" gewählt werden, zu denen dann die verknüpften Einträge angezeigt werden. Andere Suchoptionen sind eher für linguistische Fragestellungen von Interesse, während im Abschnitt "5) Le passage doit contenir au moins un objet textuel de type et de contenu donnés" u. a. die gezielte Suche nach einem "Auteur d'exemple" angeboten wird. Die Suche nach "Sieyès" ergibt dabei über 80 Verweise, die zu Begriffen wie "députer", "insocial", "nation" oder "représentation" führen. Besonders stark ausgewertet wurden offensichtlich die Texte der Madame de Staël, unter deren mehr als 1.300 Textstellen z. B. Passagen in den Artikeln "jacobinisme", "tribunitien" oder "violence" zu finden sind. Nochmals differenziertere Suchoptionen bietet der Bereich Recherche complexe, während der Abschnitt Historique die innerhalb einer Browser-Session recherchierten Begriffe auflistet. Die vielfältigen Benutzungsoptionen erschließen sich erst nach einer näheren Beschäftigung mit dem "Trésor". Gerade diese tiefe Erschließung der Artikelinhalte macht aber die besondere Stärke des Webangebots aus, das nicht nur für sprachgeschichtliche Fragestellungen eine erste Adresse darstellt, sondern auch allgemein für die Beschäftigung mit der französischen Geschichte und mit französischsprachigen Quellentexten von großem Nutzen sein kann.

[Gregor Horstkemper, 24. Mai 2004]

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